Paderborn (pdp). Viele Kirchen stehen leer, werden nur noch selten genutzt oder sollen sogar geschlossen werden. Die Frage nach der Umnutzung von Kirchengebäuden gehört zu den größten Herausforderungen der katholischen Kirche in Deutschland. In diese aktuelle Diskussion mischt sich am Samstag, 7. März 2026, ein vielversprechender Studientag der Theologischen Fakultät Paderborn ein: „… die Kirche im Dorf lassen!? Zur (un)umgänglichen Umnutzung von Kirchengebäuden“.
Von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr steht die Frage im Mittelpunkt, wie Kirchen, die nicht mehr regelmäßig liturgisch genutzt werden, zukunftsfähig gestaltet werden können. Was darf, was kann, was soll aus ihnen werden? Die Veranstaltung richtet sich an hauptamtliche Mitarbeitende sowie Ehrenamtliche der pfarrlichen Gremien.
Warum Kirchenumnutzung ein Thema für die ganze Gesellschaft ist
Daniel Schröter, Architekt und Leiter der Abteilung Kirchengemeindliche Immobilien im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn, sieht den Studientag als wichtigen Beitrag: „Ich glaube, das ist von absoluter Relevanz. Nicht nur für Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte, sondern insgesamt für uns alle in der katholischen Kirche und darüber hinaus.“
Der kirchliche Gebäudebestand nimmt ab, die Anforderungen an Kirchenimmobilien steigen. Doch für Daniel Schröter geht es um mehr als um die reine Verwaltung: „Es ist ein emotionales Thema, aber die Lösungen sind häufig noch unklar. Wir müssen diese Probleme gemeinsam angehen.“
Hybridnutzung von Kirchen als zukunftsfähiges Modell
Ein konkreter Lösungsansatz ist die sogenannte Hybridnutzung von Kirchenräumen. Dabei bleiben Kirchen weiterhin liturgisch nutzbar, werden aber zusätzlich für andere gesellschaftliche Zwecke geöffnet, etwa als Kulturorte, Nachbarschaftstreffs oder Bildungseinrichtungen. „Wie kann ich eine Kirche nicht nur als Sakralraum, sondern auch anders nutzen?“, fragt Schröter. „So können wir Gebäude langfristig erhalten und mit Leben füllen.“ Erste Pilotprojekte zeigen, dass Kirchen auch Kultur-, Bildungs- oder Begegnungsorte sein können, ohne ihren Charakter zu verlieren.
Das Erzbistum Paderborn arbeitet im Rahmen seiner Immobilienstrategie aktiv an solchen Konzepten und bietet den Kirchengemeinden Beratung und Unterstützung. Daniel Schröter betont dabei die Notwendigkeit eines interdisziplinären Zugangs. Die Theologische Fakultät biete gerade jetzt dafür einen passenden Ort: „Sie versucht einen sehr breiten Blick auf das Thema zu setzen. Das finde ich richtig und angemessen.“ Denn die Problematik verlangt nach mehr als reinen Bau- oder Finanzlösungen. Es geht um juristische, psychologische, gesellschaftliche und denkmalpflegerische Fragen. Um Trauer und Verantwortung. Und darum, Zukunftsaussichten zu entwerfen, die Gemeinden nicht überfordern, sondern mitnehmen.
Kirche und Gesellschaft: Dialog über kirchliche Immobiliennutzung beginnt gerade erst
Die Veränderung betrifft nicht nur das Innere der Kirche, sondern auch die Beziehung nach außen. Schröter wünscht sich einen intensiveren Austausch zwischen kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren: „Hier müssen Kirche und Gesellschaft miteinander in den Dialog kommen und das ist momentan noch in den Anfängen.“
Ziel des Studientags ist es deshalb, theologisch und kirchenrechtlich durchdachte Impulse für langfristige Strategien zu geben und Verantwortliche in den Kirchengemeinden zu stärken, die sich dieser komplexen Aufgabe stellen.
Der Blick auf den 7. März 2026 lohnt sich also für alle, die sich fragen, wie Kirche in Zukunft nicht nur im Dorf, sondern mitten im Leben bleiben kann.
Anmeldungen für die Teilnahme an dem Studientag sind per E-Mail unter kirchenrecht@thf-paderborn.de bis zum 23. Februar 2026 möglich.