Aubertin-Orgel

Orgel von Bernard Aubertin (Courtefontaine, F)

Orgelweihe: 21. Oktober 2016

Aubertin-Orgel, ErwitteRalf Borghoff
MANUFACTURE

D´ORGUES

Die Orgelbaufirma von Dr. h. c. Bernhard Aubertin, 1978 gegründet, ist in einem ehemaligen Augustiner Kloster aus dem Jahre 1137 in dem Dorf Courtefontaine, auf halbem Weg zwischen Dole und Besançon, in der Franche-Comté im Osten Frankreichs gegründet, untergebracht. Das Unternehmen beschäftigt im Durchschnitt ein Dutzend Menschen, welche die Instrumente in einem traditionellen Stil erbauen. Die Buffets sind aus massiver Eiche gefertigt. Handgefertigte, kunstvolle Formteile und verschiedene Skulpturen und Vergoldung prägen den Stil einer originalen Aubertin-Orgel. Die Manufaktur hat seit 1978 neue Orgeln in Frankreich, in vielen europäischen Ländern, sowie auch in Japan gebaut. Außerdem widmet sie sich der Restaurierung und Reparatur aller Arten von Orgeln.

Bernard Aubertin (*1952 in Boulay-Moselle), Gründer und Gesch.ftsführer des Unternehmens, entwirft, zeichnet und intoniert seine Instrumente selbst. Er lehrte nach einem Lernzyklus CNFA Eschau 1990-1993. Er entwirft und baut alle Teile seiner Instrumente selbst. Für die von ihm initiierte und ausgeführte Restaurierung der Klostergebäude des alten Priorats aus dem 12. Jahrhundert gewann er im Jahr 1995 den Grand Prix Crédit du Nord. Im Jahr 1995 verlieh ihm das Kultur Ministerium den Titel Maître d’Art en Facture d’orgues (Kunstmeister in Orgelbau) aus Lebenszeit und er erhielt die Vermeil-Medaille der Stadt Paris für seine neue St. Louis en l’Ile Orgel. Im Jahr 2006 wurde Bernard Aubertin der Ehrendoktortitel der Universität Aberdeen als erster Künstler, der nicht aus dem Vereinigten Königreich kommt, verliehen. Er ist der weltweit einzige Orgelbauer, der diesen Titel in Anerkennung seines Lebenswerkes und als Auszeichnung für die hervorragende Orgel, die er im King´s Chapel erbaute, erhielt. Ein weiterer bedeutender Orgelbau erfolgte 2007 für den St John’s Coll. Univ. Oxford. Sein letztes größeres Projekt in Europa war die Orgel von Mariager 2010 in Dänemark. Bernard Aubertin wurde per Dekret am 31. Dezember 2006 aufgrund seiner hervorragenden und außergewöhnlichen Leistungen und als französischer Kulturbotchafter im Orgelbau Gebiet zum „Ritter der Ehrenlegion“ durch den französischen Staatspräsidenten ernannt. 

MANUFACTURE D’ORGUES Bernard Aubertin:

Bernard Aubertin

Mitarbeiter: Christophe Cailleux, Orgelbauer · Jean-Marc Perrodin, Orgelbauer · Thomas Gaudefroy, Tischler · Samuel Pinzler, Orgelbauer · Francis Jacob, Organist Intonationshilfe · Anke Saeger, Orgelbauerin · Jérôme Paris, Schreiner · Jérôme Stalter, Pfeifenmacher · Vergolderin : Marie-Odile Valot-Degueurce

UNSERE NEUE ORGEL

Begonnen haben die Planungen für eine neue Orgel Im Kirchenvorstand 2007. Im Vorjahr hatte eine umfassende Innenrenovierung der Laurentius-Pfarrkirche stattgefunden. Ein Jahr später wurde mit der Schaff ung der neuen Organistenstelle in St. Laurentius der Dekanatskirchenmusiker Roland Krane aus St. Patrokli in Soest betraut. Nach einer schweren Erkrankung und seinem allzu frühen Tod verzögerten sich die weiteren Überlegungen zu den schon eingeholten Angeboten diverser deutscher Orgelbaufi rmen. Nachdem diese Angebote nicht in die nähere Auswahl kamen, wurde 2011 die Manufacture d´Orgues von Dr. Bernard Aubertin aus Courtefontaine im französischen Jura auf Initiative von Pfarrer Hans Gerd Westermann zu einem Angebot aufgefordert. Nach einer mehrjährigen -nicht immer ganz leichten- Planungsphase mit der Orgelbaufi rma Aubertin, dem Denkmalamt, der Kunstkommission des Erzbistums Paderborn und dem Kirchenvorstand konnte dann endlich im Herbst 2013 grünes Licht für den Orgelbau gegeben werden. Seit 2014 wurde dann in akribischer Arbeit unsere neue Orgel Stück für Stück von den 8Mitarbeitern der Orgelbaufirma Aubertin erstellt.In ca. 32.000 Arbeitsstunden erstellten sie das Gehäuse, das Regierwerk, die Traktur und die Pfeifen. Ein sehr wichtiges Kriterium für Bernard Aubertin ist dabei, dass bei seinen Instrumenten alles selbst hergestellt wird. Einzig die Windmaschinen werden zugekauft. Die Klaviaturen wurden z. B. einzeln aus Ochsenknochen und Ebenholz hergestellt. Dabei achtet Bernard Aubertin bereits bei den ersten Planungen der Instrumente darauf, dass seine Instrumente sehr gut zu Warten sind.

GEHÄUSE

Das gesamte Gehäuse ist aus 100% massivem Eichenholz gebaut, handverputzt, mit echten Profilen und Schnitzwerk. Alle Holzarbeiten sind nach klassischen Verfahren gefertigt mit Zapfen-Nut-Verbindungen, Zinken, Gehrungen, Füllungen mit Abplattungen, Verzapfungenmit Pflöcken und vielen verschiedenen, gut proportionierten Profi len. Das Gehäuse wurde in allen Teilen in der Werkstatt hergestellt und komplett aufgebaut. Die Proportionen des Gehäuses sind dabei aus den Proportionslinien der Raumarchitektur der Pfarrkirche gewonnen. Die obersten Verziehungen, die an das Gedicht “Schwester Sonne” von Franz von Assisi erinnern bringen eine senkrechte Stellung in die Orgel, die sie von ihrer Schwerfälligkeit frei machen.

WINDLADEN

Die traditionellen Schleifenwindladen sind ganz aus luftgetrocknetem, feinstem Eichenholz und nach klassischen Baumethoden gebaut. Der Einbau von genügend breiten Laufböden zwischen den in mehreren Teilen gebauten Windladen erlaubt eine leichte Wartung. Wegen der wichtigen Zugänglichkeit der Zungenregister sind diese in der Regel in der Nähe vom Laufboden platziert.

PFEIFENWERK

Sämtliche neuen Pfeifen wurden in der Werkstatt in handwerklicher Arbeit nach klassischen Bauprinzipien hergestellt. Polierte Prospektpfeifen aus 83%-igem Zinn, Gedeckte und Flöten aus Metall, Blei, Zungenbecher aus Zinn. Dr. h. c. Aubertin besitzt langjährige Erfahrung im Bau aller in der Orgel vorkommenden Register. Das Metall der Pfeifenbecher wird von Hand ausgedünnt und abgezogen. Die Pfeifen mit Bleikernen sind gegen Oxidation lackiert. Die handgefertigte Holzpfeifen sind aus Kastanien- oder Eichenholz mit stehenden Jahresringen gefertigt. Die Innenwände der Holzpfeifen werden komplett sorgfältig verleimt. Die innen Kante der Vorschlägen sind metalliseirt.

INTONATION UND STIMMUNG

Dr. h. c. Aubertin betrachtet die Intonation wie eine klangliche Architektur, dessen Aufbau und Struktur sich in den Linien und Formen des Gehäuses spiegelt. Seine langjährige Erfahrung im Bau und in der Intonation sämtlicher vorgesehener Register gibt ihm eine klare Vorstellung von dieser klanglichen Architektur, die sich aufs Beste mit der durch die neuerliche Renovation noch hervorgehobenen Klarheit und Helligkeit des Kircheninneren verbindet. Das ganze Pfeifenwerk ist sorgfältig so intoniert, dass die Pfeifen angenehm und die einzelnen Register charakteristisch klingen und sich miteinander wohl mischen. A 440 Hz bei 20°C „wohltemperierte“ Stimmung nach Thomas Young um 1800,( 6 reine und 6 temperierte Quinten). Das Hauptwerk, zweites Manual stützt sich auf den Prinzipal 16‘. Sein Plenum klingt weit und majestätisch. Das dritte Manual ist zweigeteilt: ein Oberwerk mit freistehenden Pfeifen und ein Schwellwerk mit Jalousien

a) Der leichtere und glänzende Klang des Oberwerkes ist in seiner Farbigkeit geeignet für

solistische Stimmen.

b) In einem Schwellwerk sind weitere labiale und linguale Register eingebaut.

Endlich bildet das Brustpositiv / Unterwerk eine klangliche und dynamische Erweiterung des Hauptwerkes, da es zarte, leise sowie charakteristische Stimmen beinhaltet. Es ist auch ein Begleitwerk für Schola, Chöre und kann mit Instrumenten einen Dialog führen. In jedem Werk finden sich einige Register, die sowohl den Klang des Plenums umzufärben vermögen, als auch als Solist in Erscheinung treten können. Das Pedalwerk bringt mit seinen für den Raum unbedingt nötigen weiten Mensuren in allen Registern ein stabiles Fundament.

ZUNGENREGISTER

Die Zungenregister haben, wo es nötig ist, konische Zinnkehlen. Sie haben einen runden und fundamentalen Klang im Bass und werden progressiv glänzend im Diskant. Die kräftigen Zungenstimmen sind nach deutschem Vorbild so intoniert, dass sie besonders ins Mixturenplenum der Orgel gezogen werden können. Die Zungenbecher sind mit großer Sorgfalt in die Pfeifenfü.e justiert und befestigt, um eine sehr gute Stimmhaltung zu gewährleisten. Dr. h. c. Aubertin stellt gegossene Zinnkehlen in seiner Werkstatt her, die beledert werden, so dass man einen fundamentalen Klang ohne unerwünschte Obertöne erreicht. Solche Kehlen sind notwendig vor allem bei den Zungen im Pedal, wo ihr Klang im polyphonen Spiel keine Verwirrung in die Manualstimmen bringen darf. Mehrere Register haben einen progressiven, changierenden Klang von dunkel bis glänzend. Dies gilt für Labiale wie für Zungen.

EINIGE FAKTEN ZUM PRINZIP DES GOLDENEN SCHNITTS

Der goldene Schnitt kommt als Verhältnis in vielfältiger Weise in der Natur und auch beim Menschen vor. Deshalb ist es naheliegend, dass der Mensch diese Proportion als angenehm oder schön empfindet. Baumeister und Maler haben den goldenen Schnitt oder eine seiner Näherungen mit Hilfe der Fibonacci-Zahlen seit dem Altertum als Stilmittel wahrscheinlich meist intuitiv eingesetzt. Bei vielen Bauwerken und Gemälden wurde der goldene Schnitt nicht dokumentiert und kann nur nachträglich durch Bildanalyse spekulativ zugeordnet werden. Eine einfache Näherung ist 5/8 = 0,625 und stimmt auf 1% mit dem genauen Wert überein. Der berühmte Architekt Le Corbusier (1887 – 1965) hat den goldenen Schnitt bewusst häufig als Stilmerkmal in seinen Bauwerken verwendet.